Massentierhaltung hat Anteil an Tropenwaldabholzung



Bio-Verbraucher e.V. – Info-Brief 15/ Juli 2008


Liebe Leser,

kurz vor der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn fand dort vom 12. bis 15. Mai 2008 ein Treffen mit dem Titel Planet Diversity (etwa: Vielfalt auf unserem Planeten) mit 700 Teilnehmern aus allen Kontinenten statt. In sechs Plenarsitzungen, 30 Workshops und 20 Kurzpräsentationen wurden Ideen, Projekte, Konzepte und Ergebnisse dazu vorgestellt und diskutiert. Ich war dabei und berichte hier über meine Erkenntnisse zum Anteil der Landwirtschaft an Artenschwund und Klimawandel. Lesen Sie dazu auch die Pressemitteilung in der Rubrik „1 Assoziative Zusammenarbeit“ und das Interview zur Saatgutforschung und –pflege in der Rubrik „3 Wissenschaft/ Forschung“.

Klimaerwärmung und Artenschwund - zwei Seiten einer Medaille

Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten bis zu einem Drittel unserer Pflanzen- und Tierarten verschwunden sein, schätzt das Bundesamt für Naturschutz in Deutschland. Dazu gehören auch die Wälder und Fluren, die unsere Abgase binden. Global gesehen besitzen die Urwälder des Tropengürtels das größte Kohlendioxid-Bindungspotential. Die Länder in diesen Weltregionen müssen unbedingt motiviert werden, ihr grünes Kapital zu erhalten. Das könnte zum Beispiel durch eine Prämie geschehen, die man ihnen für Nichtabholzung und Aufforstung bezahlt, wie bei der Weltklimakonferenz auf Bali im letzten Dezember gefordert wurde.

Überdüngung führt zu Artensterben

Nach einer Greenpeace-Studie, die während der Konferenz vorgestellt wurde, machen die Abgase aus der Landwirtschaft - neben denen aus Industrie, Verkehr und Energieversorgung - weltweit etwa ein Viertel aller Emissionen aus, die für den Treibhauseffekt verantwortlich sind. Die (Über-)Düngung der Felder ist dabei das Hauptproblem. Allein in Deutschland sind diese Auswirkungen der Landwirtschaft für das Verschwinden von mindestens drei Viertel unserer Boden- und Wasserlebewesen verantwortlich. Diese Erkenntnis ist neu, denn bisher galten unsere Bauern als Landschaftspfleger, die für diese Tätigkeit eine Prämie erhielten. Ein folgeschwerer Irrtum, wie sich jetzt zeigt. Neben dem Abholzen der Wälder greift nichts so stark in die Natur ein, wie die Einrichtung industriell geführter Agrarbetriebe.

Massentierhaltung hat Anteil am Abholzen der Tropenwälder


An zweiter Stelle der landwirtschaftlichen Abgase steht die Massentierhaltung. Einerseits haben die Methangasausscheidungen der eineinhalb Milliarden Rinder weltweit einen bedeutenden Anteil an den Treibhausgasen, die zur Aufheizung der Atmosphäre führen, andererseits muss für sie sowie für die Milliarden von Schweinen und Mastgeflügel das Fünffache dessen erzeugt werden, was uns Menschen an Nahrung zur Verfügung steht. Die Massentierhaltung entspricht der Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten in den reichen Ländern. Das Fatale ist aber, dass wir unsere Stalltiere längst nicht mehr selbst ernähren können. Tropische und subtropische Wälder werden gerodet, damit auf den gewonnenen Flächen Futtermittel für sie erzeugt werden. Damit verschwinden durch unseren Milch- und Fleischkonsum nicht nur die Wälder als wichtige Abgasvernichter selber, mit ihnen gehen auch die vielen – zum Teil noch unbekannten – Arten verloren, von denen wir sicher sein können, dass wir sie künftig nötig haben werden. Die riesigen Mengen an Getreide, Mais und Soja, die für die Tiermast gebraucht werden, erzielt man durch Einsatz von gewaltigen Mengen an Kunstdüngern und Pestiziden, der wiederum mitverantwortlich ist für Klimaerwärmung und Artenverlust. Das gilt übrigens auch für die so genannten Bio-Treibstoffe, wie Zuckerrohr, Mais und Raps!

Sind wir bereit, die Konsequenzen aus dieser Einsicht zu ziehen und Agrarfabriken sowie Massentierhaltungsbetriebe aufzulösen? Finden wir zurück zu kleinbäuerlichen Strukturen mit biologischen Landbaumethoden und artgerechter Tierhaltung? Sind insbesondere wir Verbraucher bereit, den notwendigen Anpassungsprozess zu begleiten, ja ihn durch Änderung unserer Kaufgewohnheiten einzuleiten?

Der Bio-Verbraucher e.V. setzt sich bei den Politikern für eine verstärkte Förderung umstellungswilliger Bauern und eine Erhöhung der Prämien für die biologisch arbeitenden Betriebe ein – zur Vermehrung der biologisch erzeugten Rohstoffe im eigenen Lande und zur Reduzierung der Treibhausgase in der Welt. Zusagen vom Bundeslandwirtschaftsministerium und von einigen Landwirtschaftsministerien der Länder sind bereits eingetroffen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter







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