Vegane Landwirtschaft (Bild: pixabay.com)

 



Landwirtschaft und Handel

Bioveganer Landbau: Braucht die Bio-Landwirtschaft Tierhaltung?

Noch fristet der biovegane Landbau ein Nischendasein, jedoch hat die Idee dahinter einen umfassenden Diskurs ausgelöst. Ende letzten Jahres hat die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) den biozyklisch-veganen Anbau als einen weltweit gültigen Bio-Standard anerkannt. Seitdem ist es landwirtschaftlichen Betrieben möglich, sich mit dem Gütesiegel „aus biozyklisch veganem Anbau“ zertifizieren zu lassen.

Das Konzept des bioveganen Landbaus
Das Konzept des bioveganen Landbaus vereint die Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft mit denen des Veganismus. Letzterer findet zunehmend Anhänger, die meist aus ethischen Gründen auf tierische Produkte verzichten. Die Idee des bioveganen Landbaus ist dabei nicht ganz neu: bereits Mitte der 90er wurde der biologisch-vegane Land- und Gartenbau in England durch das Vegan Organic Network (VON) begründet, mit dem Ziel der Förderung und Entwicklung einer landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion ohne Tierausbeutung. Dies bedeutet, dass weder Tiere gehalten noch Produkte aus Tierhaltung oder –schlachtung (z.B. Mist, Gülle, Knochenmehl) verwendet werden.

Merkmale des „biozyklisch-veganen Anbaus“
Der Verein Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. benennt folgende Merkmale des „biozyklisch veganen Anbaus“:

  1. Kein Einsatz von Dung und anderen Betriebsmitteln tierischer Herkunft. Es werden weder eigene noch zugekaufte Produkte aus Tierhaltung oder –schlachtung (z.B. Mist, Gülle, Knochenmehl) verwendet.
  2. Pflanzlich organische Düngung. Zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit werden Dünger aus pflanzlichen/mineralischen Quellen (z.B. stickstoffsammelnde Leguminosen wie Kleegras, Humuserde aus Kompost) eingesetzt.
  3. Ganzbetrieblicher Ansatz. Ausnahmslos alle Betriebsflächen werden biozyklisch-vegan bewirtschaftet.
  4. Pflanzenschutz beginnt beim Humusaufbau im Boden. Um den Einsatz von erlaubten Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum zu beschränken, soll eine gezielte Unterstützung durch Mikroorganismen des Bodens erfolgen sowie die Herstellung von möglichst naturähnlichen Wachstumsbedingungen.
  5. Förderung der Artenvielfalt. Nützlinge werden im gesamten Bereich der Betriebsfläche gefördert, z.B. Anlage und Pflege von Blühstreifen und Hecken. Die Selbstregulation soll dadurch unterstützt werden.
  6. Verbindliches Monitoring von agrarökologischen Maßnahmen. Mithilfe eines sogenannten „Biozyklischen Betriebsindexes“ (BBI) werden agrarökologische Maßnahmen bzw. deren Bedarf ermittelt, bewertet und kontinuierlich verbessert.
  7. Geschützte Feldlage. Die Wechselwirkungen zwischen der Umwelt und des natürlichen Ökosystems auf die Felder und Kulturen sowie die Maßnahmen und das Verhalten der Erzeuger/innen-Betriebe im Hinblick auf die Sicherheit der einzelnen Parzellen gegenüber Agrochemikalien aus konventioneller Landwirtschaft (Abdrift) werden ebenfalls mit Hilfe des BBIs individuell ermittelt, bewertet und kontinuierlich verbessert.
  8. Bäuerliche Landwirtschaft. Es wird eine Bio-Landwirtschaft angestrebt, die mit einer Verbundenheit gegenüber Boden, Pflanze und Umwelt einhergeht. Achtsamkeit im Umgang mit allem Lebendigen wird als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg und Produktqualität gesehen.

Zentrale Bedeutung der Fruchtfolge
Die langfristige Versorgung der Kulturen mit ausreichend Nährstoffen stellt im bioveganen Landbau eine besondere Herausforderung dar. Aus diesem Grund kommt der Fruchtfolge, d.h. der zeitlichen Abfolge, der auf einer landwirtschaftlichen Fläche angebauten Feldfrüchte über mehrere Jahre, eine besondere Bedeutung zu. Eine gut durchdachte − d.h. vielfältige, standortangepasste und ausgeglichene − Fruchtfolge ist Voraussetzung zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Dadurch wird eine ausreichende Versorgung des Bodens mit Nährstoffen gewährleistet und äußere Einflüsse wie Krankheiten, Schädlinge und Unkraut werden reduziert.

Fazit
Der biovegane Landbau stellt eine Alternative zum konventionellen bzw. traditionellen ökologischen Landbau dar. Aber, es gibt auch berechtige Einwände. Kritiker monieren, dass insbesondere die Bodenfruchtbarkeit sehr standortabhängig sei, was den Einsatz von tierischem Dünger in bestimmten Gegenden notwendig macht. Um dies beurteilen zu können, müssten mehrere, langfristige Studien an unterschiedlichen Standorten durchgeführt werden.

Bericht von Daniela Mayr (Quellen: www.biozyklisch-vegan.de; www.albert-schweitzer-stiftung.de; „Landwirtschaft ohne Tiere?“, Daniel Schneider, 01.11.2017, www.süddeutsche.de; „Biovegane Landwirtschaft“, Bachelor-Arbeit von Marin Gemeinholzer, 20.01.2007; www.ifoam.bio)