Gemischte Gremien (Grafik: Wolfgang Ritter)

 



Assoziative Zusammenarbeit


Konkurrenz und Kooperation
Kernsätze aus: Zur Frage der Humanisierung der Wirtschaft, unter besonderer Berücksichtigung der Funktionsweise von Verbänden der Verbraucher, Horst Habisreitinger, Volkswirtschaftliche Schriften, Heft 43, herausgegeben von J. Broermann, Berlin (1959)

Horst Habisreitinger, verstorbenes Gründungsmitglied des Bio-Verbraucher e.V., hat sich schon sehr früh in seinem Leben mit der Rolle von Verbraucher-Verbänden in Assoziationen, er nennt sie in seiner Schrift „gemischte Gremien“, befasst. Wir bringen Auszüge aus obiger Schrift.

„Zusammenschlüsse von Wirtschaftssubjekten in ihrer Eigenschaft als Verbraucher müssen nicht auf jeden Fall als Widerspruch zum Wettbewerb als Wirtschaftsprinzip aufgefasst werden.“ (S. 94)

„Als direkte Folgerung für das vorliegende Problem der Realisierbarkeit von partnerschaftlicher Kooperation an Stelle gewaltsamen Interessenkampfes ergibt sich daraus die schlichte Forderung, sich mit dem anderen, dem Gegenspieler, konkret zusammenzusetzen. Jener andere, der Partner, aber ist in der vertikalen Beziehung nicht derjenige, der die gleichen direkten Interessen hat, sondern eben der Gegenspieler, z.B. Handel : Verbrauch usw.“ „Anders ausgedrückt: An Stelle der Gremien der Verbraucher allein, der Händler allein usw. gemischte Gremien treten, in denen alle an einer bestimmten wirtschaftlichen Sachlage interessierten potentiellen Kooperationspartner vertreten sind.“ (S. 100) „Durch die gemischten Gremien würden die bestehenden einpoligen Kollektive nicht überflüssig, sie könnten von Fall zu Fall in den Ersteren vertreten sein.“ (S. 101)

„In der Bildung gemischter Gremien scheint eine echte Chance zu liegen, dass die oben aufgezeigten schizoiden wirtschaftlichen Erscheinungen überwunden werden, indem jene objektive gesamtwirtschaftliche Vernunft entwickelt wird, welche die Voraussetzung ist zur Verwirklichung des … Gemeinwohls. Was keine noch so gut gemeinten Appelle an den guten Willen je erreichen dürften, kann möglich werden, wenn jene Gebilde, die eine ersprießliche Koordination im volkswirtschaftlichen Raum ex definitione vereiteln, übergeleitet werden in Organe, in denen der wirtschaftende Mensch „das in der Welt handelnde soziale Wesen“ zu sein vermag.“

„Auf die eingangs dieses Abschnittes aufgeworfene Frage zurückblickend kann nunmehr festgestellt werden, dass eine Verhaltensweise des kompromisslosen Kampfes auch in den vertikalen funktionellen Beziehungen nicht natürlich ist, nicht unbedingt, sondern Folge einer institutionellen Fehlentwicklung. Es besteht begründete Aussicht, dass durch Anpassung der Institutionen an den Menschen, an seine Sozialgestalt, die abnormen funktionellen Beziehungen sich normalisieren, … ohne … dass zuerst die Menschen „besser“ werden müssten.“ (S. 102)

„Insoweit die heutige Wirtschaft aber doppelt aus dem Lot geraten ist: Überschuss, d.h. Überwuchern in außer- bzw. überwirtschaftliche Zuständigkeiten – z.B. Sozialpsychagogik, besser: Sozialmanipulation durch Werbung – einerseits, mitmenschliches Defizit andererseits, kann die Zueinander-Gesellung von Herstellern, Händlern und Verbrauchern in gemischten Gremien als eine praktikable Ausgleichsmöglichkeit angesehen werden.“ (S. 104)

Ergänzung durch die Redaktion/ Wolfgang Ritter: Dr. Rudolf Steiners Anregung zur assoziativen Zusammenarbeit ist 100 Jahre alt, Dr. Habisreitinger schrieb seine Doktor-Arbeit vor über 55 Jahren. Erst ganz zaghaft beginnt jetzt „die Zueinander-Gesellung von Herstellern, Händlern und Verbrauchern in gemischten Gremien“ (vgl. dazu unsere jüngsten Berichte in den Info-Briefen 50 und 53).