Margarine durch andere Fette ersetzen (Bild: Wolfgang Ritter)

 



Qualitäts- und Preisrecherchen


Margarine − Bio kann nicht punkten
Bericht von Daniela Mayr

Öko-Test (10/2017) hat 20 Margarinen und Streichfette untersucht, darunter vier Bio-Marken. Mehr als die Hälfte – genau elf Produkte – erhalten ein „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“. Ausgerechnet bei den getesteten Bio-Marken fällt das Ergebnis nicht positiv aus: das mit einem „befriedigend“ am besten bewertete Produkt ist die „Margarine Dreiviertelfett“ von „Alnatura“. Es folgt die „Rapunzel Prima Reine Pflanzenmargarine“, die von Öko-Test ein „ausreichend“ bekam, sowie die „Alsan-Bio Margarine“ und die „Landkrone Bio-Margarine“ mit lediglich einem „ungenügend“. Ein "gut" erhalten nur drei Produkte aus dem konventionellen Bereich, u.a. die Margarine „Vita D’Or Classic“ des Discounters „Lidl“.

Die Bewertung setzte sich zusammen aus dem Testergebnis der Inhaltsstoffe, die mit 70 Prozent in die Bewertung einfloss, sowie dem Testergebnis der Fettzusammensetzung mit 30 Prozent. Bei der Untersuchung der Inhaltsstoffe ging es vor allem die Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. Diese können bei der Raffination pflanzlicher Fett und Öle entstehen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bezeichnet sie als „prozessbedingte Kontaminanten in Lebensmitteln, die ein gesundheitsschädigendes Potential aufweisen und daher in Lebensmitteln unerwünscht sind“ (BfR 07.07.2016). Ebenfalls im Fokus der Untersuchung standen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, die aus Verpackungen auf die darin befindlichen Lebensmittel übergehen und sich im menschlichen Körper anreichern können. Tierexperimentelle Studien deuten auf die Möglichkeit von Organschäden hin.

Im Hinblick auf die Fettzusammensetzung wurde zum einen der Anteil der gesättigten zu den ungesättigten Fettsäuren analysiert. Ein hoher Anteil an Palm- und Kokosfett zu Lasten der ungesättigten Fettsäuren, die sich positiv auf die Cholesterinwerte auswirken können, führte zu einer ungünstigen Beurteilung vieler Produkte. Zum anderen wurde das Verhältnis der Omega-3 zu Omega-6-Fettsäuren untersucht. Hier wurden Produkte abgewertet, die ausschließlich Omega-6-reiche Öle, wie z.B. Sonnenblumenöl, und keine Omega-3-reichen Öle, wie z.B. Rapsöl, enthalten. Schließlich führten den Produkten zugesetzte Aromen zu einer Abwertung.

Ein weiteres Kriterium für die Produktebewertung war der Aspekt der Nachhaltigkeit im Hinblick auf das verwendete Palmöl. Hier wurde das RSPO (Roundtable of Sustainable Palm Oil)-Label zugrunde gelegt, das auf zertifiziertes Palmöl hinweist. Während bei den konventionellen Produkten größtenteils konkrete sowie lückenlose Nachweise über die Verwendung von zertifiziertem Palmöl über die gesamte Lieferkette hinweg fehlen, sind die Hersteller aller getesteten Bio-Marken sogar nach strengeren, über das RSPO-Label hinaus reichenden, Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert. Weitere Kriterien waren, ob der Anbau auf Torfböden stattfindet, und ob hochgiftige Pestizide auf den Plantagen eingesetzt werden. Beides führte jeweils zu einer Abwertung.

Die getesteten Produkten bewegen sich in einer Preisspanne von 0,75 € bis 3,70 € pro 500 g (konventionelle Produkte) bzw. 2,50 € bis 3,98 € pro 500 g (Bio-Produkte). Zwei der mit "gut" getesteten Produkte sind gleichzeitig die günstigsten, während die teuersten konventionellen Produkte mit "mangelhaft" und "ungenügend" bewertet wurden.

Zusammengefasst stehen Verbraucher derzeit vor einem Dilemma: entweder sie wählen eine mit „gut“ bewertete konventionelle Margarine, die jedoch aus ökologischer Sicht erhebliche Nachteile aufweist, oder sie entscheiden sich für eine Bio-Margarine, auch wenn diese gesundheitlich bedenkliche Stoffe enthalten.

Tipp des Bio-Verbraucher e.V.: Kaufen Sie gar keine Margarine. Verwenden Sie zum Kochen und Braten heimische Öle (z.B. aus Raps und Sonnenblumen). Als Brotaufstrich eignen sich eine Vielzahl veganer Aufstriche sowie die große Palette der Milchprodukte.