Arm aber Bio! - Bio-Lebensmittel - Neu-Erscheinungen

 



Bio-Verbraucher e.V. – Info-Brief 43 / Juli 2015
(als pdf lesen)

Liebe Leserinnen und Leser,

immer wieder hören wir bei Beratungen, dass man sich Bio-Kost leisten können muss. Es sei teurer. Stimmt und stimmt nicht. Einerseits ist es mehr wert, weil es sorgfältiger hergestellt wird. Schlachtvieh zum Beispiel hat auf Bio-Höfen eine längere Lebensdauer, wird länger gefüttert und kostet daher auch mehr. Die täglichen Kosten für Bio-Durchschnittsernährung liegen bei 9,93 € pro Person gegenüber 7,56 € bei konventioneller Durchschnittsernährung. Folgt man aber den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und isst etwas weniger Fleisch und dafür mehr Gemüse, dann kostet die tägliche Bio-Ernährung nur noch 7,78 €, also gerade einmal 22 Cent mehr pro Tag. Quelle: Securvital – Das Magazin 2/15

Unser Mitglied Rosa Wolff hat im Selbstversuch bewiesen: Bio kann sich auch der Hartz-4-Empfänger leisten. Ihren Selbstversuch hat sie belegt, mit Rezepten untermauert und in ihrem Buch „Arm aber Bio“ veröffentlicht.

  • Arm aber Bio! Ein Selbstversuch, Rosa Wolff, ISBN 978-3-9813469-0-9, € 11,95
  • Arm aber Bio! Das Kochbuch - Feine Öko-Küche für wenig Geld, Rosa Wolff, ISBN 978-3-813469-1-6, € 11,95

Warum empfiehlt die DGE weniger Fleischgenuss? Konventionell erzeugtes Fleisch kommt aus Massentierhaltung. Um Krankheiten in den Zuchtbetrieben vorzubeugen, werden Antibiotika ins Futter gemischt, die dann auch im Organismus der Fleischesser landen und dort gesundheitliche Störungen hervorrufen können. Außerdem erhöht zu viel Fleischgenuss zum Beispiel auch das Risiko für Herzerkrankungen. Weniger Fleisch wäre also gesünder.

Als wir kürzlich die Neumarkter Lammsbräu besuchten, erfuhren wir u.a., was in konventionellem Bier ohne Kennzeichnung alles drin sein darf. Dazu gehören Chemikalien, damit das Gebräu länger haltbar bleibt und Katzenstreu, damit es besser schäumt. Und trotzdem wird nach dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516 nur mit Gerste, Hopfen und Wasser gebraut. So wie in konventionellem Bier Zusatzstoffe erlaubt sind, steht es auch mit allen anderen konventionellen Lebensmitteln. Vieles darf zugesetzt werden, was nicht ausgewiesen werden muss. Viele synthetische Zusatzstoffe verbergen sich hinter Hunderten von E-Nummern, um Struktur, Geschmack, Farbe, chemische und mikrobiologische Haltbarkeit verarbeiteter Lebensmittel zu verbessern. Viele dieser Zusatzstoffe verursachen Allergien. Unser Mitglied Dr. Andrea Flemmer beschreibt, warum Bio-Lebensmittel gesünder sind.

  • Bio-Lebensmittel – Warum sie wirklich gesünder sind, Andrea Flemmer, ISBN 978-3-86910-319-8, € 12,99

Es ist also wünschenswert, dass immer mehr Bio-Lebensmittel angeboten werden, um Allergien zu vermeiden und die Verbrauchergesundheit zu fördern. Es ist auch wünschenswert, dass die Rohstoffe dazu in zunehmendem Maße im Land des Verbrauchs erzeugt werden, um tote Böden zu verlebendigen, Umweltbelastungen zu vermindern, heimische Landwirte am Bio-Boom teilhaben zu lassen. In einem der größten Bio-Regionen Deutschlands greift endlich eine politische Maßnahme, die wir schon lange gefordert hatten: Die umstellungswilligen Landwirte brauchen einen größeren Anreiz/ eine höhere finanzielle Absicherung für die Jahre der Umstellung. Im Rahmen des Landesprogramms „BioRegio 2020“ (wir berichteten in Info-Brief 34/ April 2013) zahlt der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner statt 200 jetzt 273 Euro pro Hektar. Seit Jahresbeginn haben 600 Höfe von konventioneller auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Im vergangenen Jahr - ohne die höhere Förderung - hatten nur 100 Bauern umgestellt (Nürnberger Nachrichten v. 18.05.2015, S.16).

Auch die im Mai von Bundesagrarminister Christian Schmidt vorgestellte Zukunftsstrategie für den Ökolandbau ist ein ermutigender Schritt zu mehr Bio in der Landwirtschaft. Bayern kann für die anderen Länder Vorbild sein; es strebt eine Verdoppelung der Öko-Anbaufläche im Lauf des nächsten Jahrzehnts an und setzt mit „BioRegio 2020“ bereits wirksame Maßnahmen ein.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter