Assoziative Zusammenarbeit

 



Assoziative Zusammenarbeit


Assoziationen zwischen Industrie und Landwirtschaft - Teil 1


Auszüge aus: Rudolf Isler, Nachhaltigkeit?! Wege aus der Krise durch freie Initiativen – Wirtschaft, Staat und Kultur neu denken, Dornach/ Schweiz 2013, S. 219 ff., Copyright mit freundlicher Genehmigung durch den Verlag am Goetheanum

Rudolf Steiner hat ... vorgeschlagen, in der Wirtschaft eine vernetzende Organisation aufzubauen, und zwar so, dass diese die sozialen Aufgaben, die heute dem Staat zugeschoben werden, selbst erfüllen kann. Es soll eine nicht zentralistische Organisation sein. Die Menschen und Unternehmen, die wirtschaftlich miteinander zu tun haben, sollen freiwillig anfangen, sich organisatorisch zusammenzuschließen. Das ist nichts anderes als eine Konsequenz der Zusammenarbeit, die in der modernen, arbeitsteiligen Wirtschaft nötig ist. Die heutigen Firmenzusammenschlüsse im egoistischen Interesse des Kapitalprofits sind wie eine Karikatur von dem, was eigentlich sein sollte.

Steiner meinte mit den Assoziationen etwas anderes als Kartelle, Gewerkschaften oder Genossenschaften. Es sollten nicht nur die Menschen und Unternehmen, die die gleichen wirtschaftlichen Interessen haben, miteinander in Verbindung treten, sondern gerade die Gegenpartner, also diejenigen, die etwas verkaufen wollen, mit denen, welche es benötigen, die Produzenten mit ihren jeweiligen Abnehmern und Konsumenten. Für die Landwirtschaft sind Partner in diesem Sinne alle Menschen, die Lebensmittel brauchen. Die meisten von ihnen haben ihr Einkommen aus allen anderen Bereichen der Wirtschaft. Ihr Einkommen ist abhängig vom Preis der Waren, die sie dort herstellen. Wenn man von Preisen spricht, geht es ja nie um den einzelnen Preis, sondern immer um das Verhältnis zwischen den verschiedenen Warenpreisen; und diese sind abhängig von allen Faktoren, die es in der Wirtschaft überhaupt gibt. Diese Faktoren zu beobachten und geeignete Maßnahmen zu empfehlen, einzuleiten, zu ermöglichen, das ist Aufgabe der Assoziationen. Daher müssen in den Assoziationen kompetente Leute aus den Unternehmen zusammenkommen, die die nötigen Maßnahmen dann auch durchführen können. Diese Maßnahmen bestehen nicht darin, die Preise durch Marktmacht festzulegen, wie es Kartelle machen würden, sondern es geht um Maßnahmen wie Produktionsumstellungen, die dafür sorgen, dass vernünftige Preise auf den Märkten entstehen können.

Es ist zwar gut, wenn ich für die Bananen einen fairen Preis bezahlen will. Wenn alles gut geht, haben die Bauern in dem tropischen Herkunftsland etwas davon. Besser ist es aber, wenn wir durch assoziative Vereinbarungen dafür sorgen, dass die Bauern auf ihrem Boden als Selbstversorger sich selbst mit ihren Angehörigen und ihrem ganzen Volk ernähren können und dass sie nur auf dem dafür nicht benötigten Land Bananen anpflanzen, die sie z. B. nach Europa exportieren. Der Preis, der sich dann auf dem Markt für die Bananen einstellt, mag höher oder niedriger ausfallen als heute. Wenn wir beurteilen wollen, ob er richtig ist, müssen wir ihn in Relation zum Preis jener Waren setzen, die das tropische Land aus Europa importiert, weil es sie selber nicht oder nicht so günstig herstellen kann wie die Produzenten in Europa. Die hier beschriebene Umstellung der Wirtschaft in einem tropischen Land muss in jenem Land selbst durchgeführt werden. Wir können uns aber in Europa so verhalten, dass wir diesen Prozess nicht behindern oder gar unmöglich machen. Dies tun wir aber gegenwärtig durch die staatliche Subventionierung der Landwirtschaft, die nur in den reichen Ländern möglich ist, und dadurch, dass wir die ärmeren Länder dazu verleiten, Kredite anzunehmen. Dadurch werden sie gezwungen, ihre Landwirtschaft auf den Export auszurichten, damit sie die Schuldzinsen bezahlen können.

Wenn wir die Landwirtschaft auf diese Weise richtig in die Gesamtwirtschaft einordnen, erhalten wir Strukturen, durch die sich auch in der Industrie der weltwirtschaftliche Zentralismus nicht hemmungslos durchsetzen kann, denn auch hier kann die Regionalisierung ökonomisch sehr sinnvoll sein. Was in Europa hergestellt werden kann, muss nicht über die Weltmeere aus Ostasien herangefahren werden. Es ist nicht nötig, dass europäische Uhren den chinesischen Markt «erobern». Heute wird die Produktion in so genannte Billiglohnländer verlegt, wo die soziale Verteilung miserabel ist und wo weniger Steuern bezahlt werden müssen. Das ist für das einzelne Unternehmen, vor allem für die Kapitaleigentümer, kurzfristig profitabel, langfristig aber unökonomisch und sozial verwerflich. Internationale Konzerne neigen zu zentralistischem Denken. Sie können die Weltwirtschaft leichter manipulieren, als es aus einer überschaubaren regionalen Wirtschaft heraus möglich ist. Assoziationen dagegen sind nach föderalistischen Prinzipien von den Regionen her aufgebaut.