Verbraucher müssen die kleinbäuerliche Landwirtschaft retten

 



Bio-Verbraucher e.V. – Info-Brief 35/ Juli 2013
(als pdf lesen)

Liebe Leserinnen und Leser,

zehn Großkonzerne beherrschen die Lebensmittelmärkte weltweit. Wenn wir nicht aufpassen, gibt es die gewohnte Lebensmittelvielfalt, die relativ günstigen Lebensmittelpreise und die kleinbäuerliche (Bio-) Landwirtschaft in wenigen Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr. Die wenigen Anbieter werden bestimmen, was wir essen und was wir dafür zu zahlen haben. Ihnen geht es nur um möglichst hohe Gewinne. Zur Zeit wenden Sie in Zusammenarbeit mit Politikern weltweit die Zangen-Methode an, um ihre Machtpositionen durch Landnahme auszubauen. Dazu zwei Beispiele:

Ausland
Investitionen:  Großplantagen zum Anbau von Monokulturen (Mais, Soja, Raps – gentechnisch verändert) zerstören gewachsene kleinbäuerliche Strukturen, Kleinbauern wandern ab in die Großstädte, der Hunger in der Welt nimmt zu!
Dumpingpreise: Lebensmittelerzeugung und -Export werden in den Industrienationen subventioniert, unsere Nahrungsmittel gelangen zu unschlagbar günstigen Preisen auf die Märkte der Entwicklungsländer. Kleinbauern können dort nicht kostendeckend für ihre heimischen Märkte produzieren, heimische Angebote unterbleiben, viele Kleinbauern wandern ab in die Städte, wo es die günstigen, importierten Lebensmittel gibt. Konzerne kaufen oder pachten das aufgegebene Land und produzieren Mais, Soja, Raps - vielfach als Tierfutter  für die Industrienationen. Der Hunger in der Welt wächst weiter!

Inland
Preisdiktat: Die Preise – auch die für Nahrungsmittel - entwickeln sich nach Angebot und Nachfrage. Der Markt-Stärkere jedoch setzt seine Preisvorstellungen durch. Das ist nie der kleine Landwirt; er erzielt langfristig nicht die Preise, die ihm ein wirtschaftliches Überleben garantieren (Beispiele: Milch, Weizen, Kartoffeln). Er gibt auf, verkauft oder verpachtet sein Land. Die Konzentration der Agrar-Industrie nimmt weiter zu!
Subventionspolitik: Politiker handeln weitgehend im Sinne der Großkonzerne, auch der Agrar-Industriebetriebe. Sie subventionieren diese stärker als die kleinen Bauern und fördern das, was die Großkonzerne gefördert wissen wollen, z.B. die Energie- und Treibstoffgewinnung aus Lebensmittelrohstoffen. Mais-Anbau für Bio-Gasanlagen ist einfacher und einträglicher als Feldfruchtanbau und Tierhaltung für die Lebensmittelerzeugung. Kleinbauern folgen dem Trend, bauen selber Mais an, um eine Bio-Gasanlage zu beliefern oder verpachten ihr Land dafür. Die Landschaft „vermaist“, Bienen, die Bestäuber unserer Pflanzen, verhungern, das heimisch erzeugte Nahrungsmittelangebot geht zurück, wir müssen essen und zahlen, was uns die Großkonzerne diktieren!

Diesen Trend kann gegenwärtig nur der Verbraucher umkehren und zwar durch zwei unterschiedliche Aktivitäten:

  1. Kauf biologisch und möglichst regional erzeugter Lebensmittel/ Teilnahme an Modellen „solidarischer Landwirtschaft“ (siehe dazu auch die Beiträge in Rubrik 2 und 6 dieses Info-Briefes) Das kann jeder einzelne leisten!
  2. Politikern immer wieder den Verbraucher-Standpunkt nahe bringen Das müssen wir gemeinsam machen! Der Bio-Verbraucher e.V. vertritt die Interessen der Bio-Verbraucher! 

Um unsere Interessen noch wirksamer vertreten zu können, streben wir eine kräftige Erhöhung unserer Mitgliederzahl an. Zum 10-jährigen Jubiläum in 2014 hätten wir gerne 1000 Mitglieder. Wollen Sie uns dabei helfen? Reichen Sie diese Argumentation in Ihrem Bekanntenkreis herum; wir bedanken uns beim Werber und beim Geworbenen mit der Zusendung eines nützlichen kleinen Gebrauchsgegenstandes. Gewinnen Sie mehrere Persönlichkeiten für uns, überweisen wir Ihnen gerne deren ersten Jahresbeitrag.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter