500 neue Bio-Höfe in Bayern geplant

 



Bio-Verbraucher e.V. – Info-Brief 30/ April 2012
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Liebe Leserinnen und Leser,

rührt sich endlich etwas im bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten? Im Februar überreichten Naturland und Tollwood über 12.000 Unterschriften, die Staatsminister Helmut Brunner auffordern, ein Aktionsprogramm für den Öko-Landbau in Bayern aufzulegen. Er visiert als Zielsetzung für dieses Jahr 500 zusätzliche bayerische Öko-Betriebe an. Das wäre im Vergleich zu 2011 eine Verfünffachung. Quelle: Pressemitteilung Naturland e. V., c.veller@naturland.de, vom 06.02.2012.

Warum müssen umstellungswillige Landwirte gefördert werden? Ein konventionell arbeitender Landwirt wird den Schritt zur Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise nur wagen, wenn er für die ersten zwei bis drei Jahre eine finanzielle Unterstützung erfährt. Während dieser Umstellungszeit werden die Erntemengen geringer, weil der Landwirt jetzt auf den Einsatz von Kunstdünger und chemischen Pestiziden verzichtet. Er erzielt aber jetzt keinen höheren Preis, weil er seine Produkte noch nicht als Bio-Ware verkaufen darf. Erst nach zwei bis drei Jahren erhält er die Bio-Zertifizierung.

Wir, vom Bio-Verbraucher e. V., haben die Landwirtschaftsministerien des Bundes und der Länder wiederholt aufgefordert, die umstellungswilligen Betriebe stärker zu fördern, damit das Potential der Erzeugung von Bio-Rohstoffen in Deutschland stärker genutzt wird. Der Importanteil an Bio-Rohstoffen nimmt seit Jahren ständig zu, weil die Zunahme der Bio-Anbauflächen in Deutschland nicht mit der wachsenden Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln Schritt hält. Die Anbauverbände der Ökobetriebe fordern: Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen; wir brauchen 10.000 neue Bio-Betriebe in Deutschland. Quelle: BÖLW-Pressemitteilung, moewius@boelw.de, vom 14.02.2012

Seit langem ist bekannt, dass der Hunger auf der Welt kein Quantitätsproblem sondern ein Armutsproblem ist: Es wird weltweit eineinhalb mal soviel Nahrung erzeugt, wie gebraucht wird. Jetzt wissen wir auch, wo der Überschuss landet, den sich die Armen nicht leisten können: „Massenweise Essen im Müll – In Deutschland wandern jährlich elf Millionen Tonnen Nahrung in den Abfall“, titelten die Nürnberger Nachrichten am 14. März 2012 nach der Veröffentlichung einer Studie der Universität Stuttgart. Grund für die Verschwendung: „mangelnde Wertschätzung von Lebensmitteln, bedingt durch die ständige Verfügbarkeit und das im EU-Vergleich äußerst niedrige Preisniveau“.

Mit dem geforderten Bewusstseinswandel machen Bio-Verbraucher jetzt schon ernst, die sich für die Bedingungen der Nahrungsmittelerzeugung interessieren, die Qualität der Bio-Erzeugnisse schätzen und bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen, der es Erzeugern und Händlern erlaubt, sie auch in Zukunft beliefern zu können.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Wolfgang Ritter