EHEC Gurke ja, Sprosse nein - Behörden geben Entwarnung Nürnberger Nachrichten online vom 10.06.2011

 



Bio-Verbraucher e.V. – Info-Brief 27/ Juli 2011
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Liebe Leserinnen und Leser,

Rinderwahnsinn, Schweinepest, Vogelgrippe und verseuchte Hühnereier sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass unsere Haustiere nicht artgerecht gehalten werden bzw. nicht alle Menschen in der Kette der Lebensmittelbereitstellung die notwendige Sorgfalt walten lassen. Das gilt auch für die EHEC-Seuche, die uns kürzlich in Atem hielt. Hier handelt es sich den Meldungen zufolge um ein reines Hygieneproblem. War es also notwendig, so fragt man sich, dass das Robert-Koch-Instituts und das Bundesministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz vor dem Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalaten warnten und damit eine fast vollständige Abkehr des Verbrauchers vom Gemüse in Deutschland herbeiführte? Die dadurch ausgelöste Vernichtung fast vollständiger Ernten in der Hochsaison durch die Erzeuger ist eine nicht hinnehmbare Verschwendung und bedeutet ungeheure Verluste.

Die Lebensmittelskandale der Vergangenheit hatten den positiven Nebeneffekt, dass sich immer mehr Verbraucher dafür interessierten, wo und wie die Nahrung erzeugt und gehandelt wird. Biologisch und regional erzeugte und fair gehandelte Lebensmittel erlebten einen Boom. Bei EHEC gerieten Sprossenmischungen eines Biohofes als Auslöser der Seuche in Verdacht und es gab Stimmen, die das Infektionsgeschehen mit dem Produktionssystem des ökologischen Landbaus in Zusammenhang zu bringen suchten. Aber: „In keinem der EHEC- Fälle seit Entdeckung des Erregers in den Neunziger Jahren bestand ein Zusammenhang zu einer bestimmten landwirtschaftlichen Produktionsweise. Soweit die Ursachen gefunden wurden, handelte es sich um ungenügende Beachtung von Hygieneregeln bei der Erzeugung oder Verarbeitung von Lebensmitteln – was sowohl im konventionellen wie im biologischen System der Fall sein kann“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in einer Pressemitteilung vom 3. Juni 2011.

Die Bio-Verbraucher in der Region Nürnberg reagierten meiner Beobachtung zufolge recht gelassen, denn sie fühlten sich nicht bedroht: Gemüsegärtner im Knoblauchsland verwenden keine Gülle als Stickstoffspender, die das Bakterium enthalten könnte und die Wege vom Erzeuger zum Verbraucher sind kurz, so dass Verschmutzungsrisiken durch Transport und Umladen kaum bestehen. Auch dieser Lebensmittelskandal sollte für den Verbraucher ein Grund sein, künftig noch regional-bewusster einzukaufen.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Wolfgang Ritter